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Heimatministerin Ina Scharrenbach hat eine Überprüfung der Abrisspläne gefordert – Kann die Stadt Düsseldorf das ignorieren?
Der aktuelle Stand: Bisher Abriss von 4.000 Laternen genehmigt
In den Stadtteilen Heerdt und Lörick wurden jetzt zügig die Gaslaternen abgerissen und durch Imitate mit LED-Beleuchtung ersetzt. Anschliessend folgen weitere Stadtteile im Süden, unter anderem Hassels und Benrath. Das Institut für Denkmalpflege und Denkmalschutz der Stadt Düsseldorf hat im März 2025 die endgültige denkmalrechtliche Genehmigung zum Abriss von rund 4.000 Gaslaternen erteilt. Vorausgegangen war im Dezember 2024 eine Blitzentscheidung von Heimatministerin Scharrenbach. Damit scheint der Weg frei für die vom Stadtrat am 23.09.2023 beschlossene Vernichtung unseres Kulturdenkmals bis auf einen kleinen Rest von 200 Laternen im Hofgarten.Überprüfung des weiteren Vorgehens gefordert
So ganz ist jedoch die Hürde „Denkmalschutz” noch nicht umschifft. Die jetzige Genehmigung ist nämlich unter der Voraussetzung erteilt worden, dass nach der ersten Abrissaktion noch rund 9.000 Gaslaternen vorhanden sein werden. Das Industriedenkmal Düsseldorfer Gasbeleuchtung würde also nicht völlig verschwinden. Wie die Entscheidung ausfallen wird, wenn auch für diese Laternen der Antrag zum Abriss gestellt wird, ist noch offen. Die Lage ist keineswegs so eindeutig, wie Oberbürgermeister Dr. Keller es im Vorfeld der Ratsentscheidung dargestellt hat. Er hatte in verschiedenen Gremien erklärt, der Denkmalschutz sei kein Problem.Dem steht ein Passus in der Entscheidung der Ministerin im Weg. Sie schrieb:
„Ich weise darauf hin, dass mit der Erlaubniserteilung über den weiteren Umgang mit dem Denkmal „Düsseldorfer Gasbeleuchtung" nicht entschieden worden ist.
Diesbezüglich ergeht bereits jetzt mein folgender Hinweis: Aufgrund der nationalen Bedeutung des Denkmals erweist es sich als geboten, eine umgehende kritische denkmalrechtliche und denkmalfachliche Revision des Masterplans „Energieeffiziente und historische Straßenbeleuchtung" durchzuführen, mit dem Vorsatz eine angemessene Vereinbarung der Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege mit den strategisch gesetzlichen Zielen zu erreichen.”
Auch der Petitionsausschuss des Landtags stellt die Pläne in Frage
Auch der Petitionsausschuss des Landtages weist in diese Richtung. Wir hatten ihn im November 2024 gemeinsam mit den Düsseldorfer Jonges, der AGD, dem RVDL, dib düsseldorf im blick und dem Industriehistoriker Prof. Dr. Horst A.Wessel angerufen.Die Entscheidung zum Abriss liegt im Bereich der kommunalen Selbstverwaltung. Deshalb wird kein Anlass gesehen, dem Ministerium rechtliche Maßnahmen dagegen zu empfehlen. In sachlicher Hinsicht hat sich der Ausschuss aber intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und macht deshalb eine Anmerkung, die auch in der Düsseldorfer Stadtverwaltung gehört werden sollte:
„Der Petitionsausschuss weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Erhaltungskosten für bloß wenige Gaslaternen steigen dürften, da die Beschaffung von Ersatzteilen erschwert wird und ein immer kleineres Betriebsnetz unterhalten werden müsste. Auch insoweit wird eine Prüfung erbeten, ob ein Gaslaternennetz erhalten werden kann, welches die finanziell und denkmalfachlich tragfähige Erhaltung eines Kernbestandes der Gaslaternen ermöglicht.”
Wem also an den restlichen 9.000 Gaslaternen etwas liegt, sollte Kommunalpolitiker darauf ansprechen, dass die Verwaltung drauf und dran ist, durch Untätigkeit Fakten zu schaffen. Über unsere gewählten Vertreter können wir mit Nachdruck darauf hinwirken, dass die Hinweise der Ministerin beachtet werden. Der aktuelle Chef der Stadtverwaltung hat nämlich kein Interesse daran.
Zur Erinnerung:
Vor seiner Wahl im Jahr 2020 hatte Oberbürgermeister Dr. Keller erklärt, den Kompromiss zum Erhalt von 10.000 Gaslaternen nicht in Frage zu stellen. Gleiches ließ er auch noch nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs im November 2022 im ZDF verlauten. Wie es dann 2023 aussah, ist bekannt.
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Warum es sich lohnt, für den Erhalt der Gaslaternen in Düsseldorf zu kämpfen
Düsseldorf ist bald die einzige Stadt weltweit, in der es ein funktionierendes Gaslaternennetz gibt. Keine andere Stadt wird auch nur annähernd so markant vom Schein der Gaslichts geprägt wie unsere.Wir haben gute Argumente:
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Gepflegte und regelmäßig gewartete Gaslaternen sind hell genug. Dunkelheit hat meist andere Ursachen.Gaslaternen stehen in erster Linie in ruhigen Wohnstraßen. Sind sie gut gewartet, geben Sie auch genug angenehmes Licht, um sich orientieren zu können. Unbestritten gibt es in unserer Stadt auch „dunkle Ecken”, in denen mehr Licht erforderlich wäre. Dafür gibt es in der Regel aber ganz andere Gründe als die Gasbeleuchtung. Stehen Leuchten nur auf einer Straßenseite, wird die andere auch dann nicht heller, wenn dort die Beleuchtung umgebaut wird. Sind die Leuchtenköpfe in Baumkronen, können sie so hell sein, wie sie wollen, auf der Straße wird nichts ankommen. Hier muss genau hingeschaut werden. Oft lässt sich mit relativ geringem Aufwand die Situation verbessern, ohne dass gleich aufwendig die ganze Beleuchtung ausgetauscht werden muss.
Die von der Stadtverwaltung immer wieder als Begründung für den vermeintlich notwendigen Ersatz der Gasbeleuchtung zitierte DIN EN 13201 ist keine zwingende Vorschrift, sondern lediglich eine Empfehlung. Auch hat es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland keinen einzigen Fall gegeben, bei dem eine Kommune wegen mangelnder öffentlicher Beleuchtung haftbar gemacht worden wäre. -
Der Ersatz der Gaslaternen kostet viel Geld und amortisiert sich erst in ferner Zukunft – wenn überhaupt.Die Stadtverwaltung spricht von einem Aufwand zwischen 4.000 und 6.000 Euro für den Austausch einer Laterne. Bei bereits abgerechneten Projekten lagen die Kosten zwischen 10.000 und 12.000 Euro pro Leuchte. Es müssen also zwischen 40 und 120 Millionen Euro für den geplanten Ersatz von 10.000 Gaslaternen aufgewendet werden.
Die laufenden Betriebskosten sinken aber pro Jahr gerade einmal um 280 Euro je Leuchte, also insgesamt um 2,8 Millionen Euro. Selbst wenn nur ein niedriger Zinssatz eingerechnet wird, amortisiert sich das Ganze frühestens nach über 30 Jahren. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass die Gaspreise tendenziell sinken während Stromkosten stark nach oben gehen.
Hier geht es zu einer Musterkalkulation. Außerdem dazu die Presseerklärung des Bundes der Steuerzahler. -
Technisch und rechtlich ist der Betrieb der Gaslaternen kein Problem. Das sagen die Stadtwerke Düsseldorf.Die Stadtwerke Düsseldorf AG haben alle notwendigen Zertifikate, um Gaslaternen rechtssicher herzustellen und zu betreiben. Es gibt sowohl in Deutschland als auch in Europa Hersteller für die benötigten Ersatzteile. Je mehr Gaslaternen noch in Betrieb sind, umso einfacher und kostengünstiger wird die Beschaffung von Ersatzteilen. Weitere Informationen sind in dieser Präsentation der Stadtwerke zu finden.
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Gaslaternen lassen sich nicht einfach auf LED-Beleuchtung umbauen. Sie werden abgerissen und ersetzt.Es ist überhaupt nicht sinnvoll und im Grunde unmöglich, die traditionellen Formen von Lampen und Masten auf LED-Betrieb umzurüsten. Eine Gaslaterne ist ein ausgereiftes technisches System, bei dem nicht einfach ein Element ausgetauscht werden kann. Zahlreiche Komponenten müssen geändert oder gleich neu konstruiert werden.
Deshalb werden in der Praxis auch keine Leuchten umgebaut. Es werden vielmehr ähnlich aussehende Nachbauten oder dann aus Kostengründen gleich moderne Leuchten aufgestellt.
Dabei geht dann ein entscheidender Vorteil der Gasleuchten verloren: ihre Langlebigkeit. Sie stehen zum Teil seit über 100 Jahren. Das verwendete Metall ist vor Rost geschützt. In gasgefüllten Masten ist kein Sauerstoff, der zu Korrosion führen könnte, in den Köpfen verdampft allabendlich eventuelle Feuchtigkeit. -
Die Abschaffung der Gaslaternen bringt so gut wie keine Entlastung bei der CO₂-Bilanz. Das sagt selbst der B.U.N.D.Für 2012 wurde in Düsseldorf ein Kohlendioxidausstoß in Höhe von insgesamt 4,84 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgewiesen (Mitteilung des Umweltamtes vom 19.3.2015).
Die Gaslaternen haben mit 18.000 Tonnen daran einen Anteil von 0,27 Prozent.
Um diese 18.000 Tonnen einzusparen, wäre jedoch ein Aufwand von rund 100 bis 150 Millionen Euro erforderlich. Würde dieses Geld zum Beispiel in den Bau von Windkraftanlagen investiert, ließen sich rund 2,8 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.
Auf dieses Missverhältnis hat selbst der B.U.N.D in einer Presseerklärung hingewiesen. -
Bei einem Unfall ist eine Gaslaterne ungefährlicher als eine Elektroleuchte. Es gibt keine Explosionsgefahr.Wird eine Gaslaterne bei einem Verkehrsunfall beschädigt, kann Gas austreten. Da Erdgas leichter ist als Luft, steigt es auf und wird von der Luft schnell verdünnt. Ein zündfähiges Gemisch entsteht erst gar nicht. Aus Düsseldorf ist kein einziger Fall bekannt, bei dem es nach einem Verkehrsunfall mit einer Gaslaterne zu einem Brand oder gar einer Explosion gekommen wäre. Das nur fingerdicke Zuleitungsrohr lässt sich unproblematisch vom Störungsdienst der Stadtwerke wieder verschließen.
Wird eine Elektroleuchte umgefahren, kann es jedoch passieren, dass spannungsführende Teile freigelegt werden oder sogar der umgeknickte Mast unter Spannung steht. Das bedeutet unmittelbare Lebensgefahr für jeden, der damit in Berührung kommt. -
Gaslaternen leuchten auch dann, wenn der Strom einmal ausfallen sollte. Mehr Sicherheit geht nicht.Alle Fachleute sind sich einig, dass die Gefahr großflächiger Stromausfälle steigt. Sei es durch Überlastung der Netze oder durch Hackerangriffe: Städte und Gemeinden müssen sich darauf einrichten, dass die Versorgung nicht mehr so sicher ist, wie in den letzten 50 Jahren. Düsseldorf hat das Glück, ein vom Stromnetz weitgehend unabhängiges System der Straßenbeleuchtung für große Teile der Stadt zu besitzen. Dieses gerade jetzt abzuschaffen, zeugt nicht von Weitsicht.
Hier stehen Gaslaternen
Ihre Gaslaternen!
Gaslicht Störungstelefon
0211 821 82 41
oder falls nicht erreichbar
meldestelle@netz-duesseldorf.de
In unseren Reihen gibt es zum Glück Grafiker, Texter und andere Kommunikationsexperten, die viele Medien selber machen können. Manches muss jedoch auch produziert werden und dafür brauchen wir Geld.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) sind auch steuerlich absetzbare Spenden möglich.
Schon fünf Euro helfen weiter, höhere Beträge sind selbstverständlich jederzeit willkommen.
Überweisungen bitte auf dieses Konto:
RVDL, IBAN: DE23 3705 0198 0002 2326 50 BIC: COLSDE33
Kennwort „Spende Düsseldorfer Gasbeleuchtung“
Bei Spenden bis 300,00 € reicht der Bankbeleg als Nachweis für das Finanzamt. Er muss dann zusammen mit einem Formular eingereicht werden, das Sie hier finden.
Informationen zum Thema Gaslicht gibt es auch hier:
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